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Die Schulanfangsphase

Hier lernen Groß und Klein gemeinsam

Bereits seit drei Jahren drücken bei uns die Kinder der 1., 2. und 3. Jahrgangsstufe gemeinsam die Schulbank. Die einzelnen Jahrgänge bilden in etwa jeweils ein Drittel der gesamten Schülerzahl, die bei 23 liegt.
So üben während einer Unterrichtsstunde beispielsweise die sieben kleinen ABC-Schützen in einem Teilungsraum einen Buchstaben-Rap gemeinsam mit der Klassenlehrerin ein. Mit diesem geht das Lesen-Lernen dann fast wie von selbst. In dieser kleinen Gruppe macht es auch besonders viel Spaß, gemeinsam die ersten Wörter an die große Tafel zu schreiben.
Die Zweit- und Drittklässler, die bereits kleine Schriftsteller sind, denken sich zur selben Zeit im Klassenraum eine Abenteuergeschichte aus. Betreut durch eine Lehrerin, die zwei Mal pro Woche zusätzlich in der Lerngruppe eingesetzt ist. In der Lese-Ecke halten ein Zweit- und ein Drittklässler eine sogenannte ?Schreibkonferenz? ab und beratschlagen, wie man die Geschichte noch spannender erzählen könnte. Da alle Jahrgänge bereits damit vertraut sind, was einen guten Aufsatz ausmacht, gibt es Kinder aus der zweiten Jahrgangsstufe, deren Leistungen bereits das Niveau der Drittklässler erreicht haben.  
Eine versierte Erzieherin, der die Jahrgangsmischung seit langem vertraut ist, kümmert sich intensiv um Max, der dringend ein paar Schreibtipps benötigt.
Nach der großen Pause sitzen die Kinder wieder allesamt an ihren Gruppentischen, um zu frühstücken. Für einen Außenstehenden schwer auszumachen, wer in welcher Jahrgangsstufe ist, da körperliche Größe und Reife in keinster Weise mit dem Alter korreliert.
Hier zeigt sich der große Vorteil der Jahrgangsmischung: Jedes Kind bearbeitet bestimmte Themen in Deutsch, Mathematik oder Sachkunde seinen Fähigkeiten entsprechend. So liest etwa Julian, ein Erstklässler, dessen Lesefähigkeit schon sehr gut ist, einen Informations-Text über Eisbären, der eigentlich für die 2. Jahrgangsstufe bestimmt ist. Und Antonia, ebenfalls erst vor einem halben Jahr eingeschult, schreibt eine ganze Seite darüber, wie Eisbären die harten Wintermonate überstehen. Ist sie einmal nicht ganz sicher, wie ein Wort geschrieben wird, holt sie sich Rat von einem älteren Kind an ihrer Tischgruppe.
Dieses wiederum ist stolz darauf, was es bereits gelernt hat. Überhaupt ist es häufig so, dass Erklärungen von Seiten der Kinder für diese verständlicher sind, als würde ihnen ein Erwachsener auf die Sprünge helfen.

In Mathematik findet sich dann etwa ein interessierter Zweitklässler bei der Gruppe von Drittklässlern mit ein, die gerade in die schriftliche Multiplikation eingeführt wird.
Selbstverständlich werden auch die Kinder der 3. Jahrgangsstufe intensiv gefördert. Neben zwei zusätzlichen Englisch-Stunden haben sie nicht nur ein Mal pro Woche eine Unterrichtsstunde alleine mit ihrer Klassenlehrerin. Durch Teilungsstunden und eine Doppelbesetzung mit der Erzieherin, die 13 Stunden pro Woche mit in der Klasse ist, werden sie in kleinen Gruppen etwa im Nebenraum unterrichtet. Dies ist natürlich viel effizienter als dies bei einer normalen Klassenfrequenz der Fall ist. Und sollte ein ?Überflieger? bereits das Pensum des 3. Jahrgangs absolviert haben, dann bekommt er selbstverständlich Anregungen und entsprechendes Material, welches seinen Fähigkeiten entspricht.
Sehr beliebt sind auch die Vorlesestunden: Die ?Großen? lesen den ?Kleinen? vor, was beide Seiten sehr genießen. Umgekehrt unterstützen die älteren Kinder die jüngeren, wenn diese mit dem Lesen-Lernen beginnen. Eine solch intensive Eins-zu- Eins-Betreuung wäre in einer altershomogenen Klasse gar nicht möglich.
Da alle Kinder nach ihren individuellen Möglichkeiten mit entsprechenden Materialien  überwiegend selbständig lernen, haben Lehrer und Erzieher den entsprechenden Freiraum, mit einzelnen Kindern intensiv und individuell zu arbeiten und mit ihnen gemeinsam deren Arbeitsergebnisse zu besprechen.  
Freundschaften entwickeln sich schnell und zwar über sämtliche Jahrgangsstufen hinweg. Dieses eingebunden sein in Jahrgangsstufe eins bis drei hat den Vorteil, dass Kinder auch ein Jahr länger in der Schulanfangsphase verbleiben können, ohne ihre vertraute Lerngruppe verlassen zu müssen. Umgekehrt kann ein Kind die ersten drei Jahrgangsstufen auch in nur zwei Schuljahren absolvieren, ohne aus dem Klassenverband herausgerissen zu werden.
Sie werden auf alle Fälle später einmal die Großen sein, die den Kleinen etwas vermitteln können. Und das tun sie selbstbewusst und mit viel Freude.

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